{"id":86,"date":"2007-05-05T01:37:25","date_gmt":"2007-05-04T23:37:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.totalbrain.ch\/?page_id=86"},"modified":"2025-07-27T15:04:26","modified_gmt":"2025-07-27T13:04:26","slug":"kann-meditation-die-funktionsweise-des-gehirns-optimieren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.totalbrain.ch\/wordpress\/deutsch\/kann-meditation-die-funktionsweise-des-gehirns-optimieren\/","title":{"rendered":"Kann Meditation die Funktionsweise des Gehirns optimieren?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verschiedene Meditationsmethoden wirken ganz verschieden &#8211; so haben neue wissenschaftliche Studien ergeben<\/strong><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin TIME hat in diesem Jahr in seiner Print-Ausgabe vom 8. Mai 2006 Richard Davidson, Neurowissenschaftler an der Universit\u00e4t Wisconsin-Madison, zu einer von insgesamt 100 Pers\u00f6nlichkeiten ernannt, die nach Auffassung von TIME die Welt im letzten Jahr am meisten geformt haben. Der Wissenschaftler katapultierte sich zu Weltruhm, als er auf Ersuchen des Dalai Lama in seinen Laboratorien an tibetisch-buddhistischen M\u00f6nchen Untersuchungen \u00fcber die Wirkung von Meditation auf die Hirnaktivit\u00e4t durchf\u00fchrte.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Mit dieser Auszeichnung hat TIME einen Forschungsbereich ins Rampenlicht ger\u00fcckt, der, so TIME, in den n\u00e4chsten Jahren noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit erhalten wird: den Bereich der K\u00f6rper-Geist-Medizin und eines eingehenderen Verst\u00e4ndnisses davon, wie geistige und emotionale Prozesse mit Funktionsmustern im Gehirn zusammenh\u00e4ngen und wie letztere auf unterschiedlichen Wegen formbar sind und optimiert werden k\u00f6nnen. F\u00fcr diesen hoch interessanten neuen Forschungsbereich wurde der Ausdruck der Neuroplastizit\u00e4t gepr\u00e4gt.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Davidsons Studie machte die Welt\u00f6ffentlichkeit darauf aufmerksam, dass Meditation helfen kann, den Funktionsstil des Gehirns g\u00fcnstig zu beeinflussen, es zu trainieren, ganzheitlicher, ausgewogener zu funktionieren sowie mehr positive Gef\u00fchle freizusetzen als negative. So zeichnete er unter anderem Ver\u00e4nderungen in der elektrischen Aktivit\u00e4t der so wichtigen Bereiche des Gehirns auf, die mit Aufmerksamkeit und Motivation zusammenh\u00e4ngen, sowie in der Kommandozentrale des Gehirns, n\u00e4mlich in der vorderen Hirnrinde. Diese Bereiche sind f\u00fcr alle Lernvorg\u00e4nge und \u00fcberhaupt f\u00fcr alle geistigen T\u00e4tigkeiten von fundamentaler Bedeutung. Um so spannender sind erste Erkenntnisse, dass sich diese so wichtigen Bereiche mit Hilfe von Meditationsverfahren g\u00fcnstig beeinflussen lassen.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Die Meditationen der tibetisch-buddhistischen M\u00f6nche sind allerdings f\u00fcr den Normalb\u00fcrger schwer zu praktizieren, das sind sehr strenge Konzentrationstechniken und die M\u00f6nche, deren Hirnmuster sich so eindrucksvoll ver\u00e4ndert haben, haben die Techniken jahrzehntelang sehr konzentriert ausge\u00fcbt.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Im April fand an der Universit\u00e4t von Arizon in Tucson die diesj\u00e4hrige Jahrestagung des dortigen renommierten Instituts f\u00fcr Bewusstseins- forschung statt. In den vergangenen Jahren hatten sich hier immer wieder Koryph\u00e4ren aus so unterschiedlichen Feldern wie einerseits den Neurowissenschaften, aber auch der Physik und der Philosophie zusammengefunden &#8211; wie etwa Roger Penrose, Stuart Hameroff und andere mehr. Dieses Jahr hielt dort Dr. Fred Travis, Neurophysiologie der in Iowa angesiedelten und ebenfalls schon auf fast vier Dekaden Lehr- und Forschungst\u00e4tigkeit zur\u00fcckblickenden Maharishi University of Management, einen viel beachteten Vortrag und wies zum ersten Mal daraufhin, dass verschiedene Meditationstechniken sehr unter- schiedliche Wirkungen im Hinblick auf Hirnmuster und geistige Verbesserungen hervorrufen. Er verglich die Hirnmuster von Aus\u00fcbenden der Transzendentalen Meditation (TM), des Tibetischen Buddhismus und der Aufmerksamkeitsmeditation.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Aufmerksamkeitsmeditation, eine Meditation, in der man ruhig dasitzt und alle k\u00f6rperlichen und geistigen Empfindungen losgel\u00f6st beobachtet, f\u00fchrt, so erl\u00e4uterte Travis an den EEG-Mustern, zu einer deutlich st\u00e4rkeren Aktivierung der linken, mit analytischem Denken und Auswertungsprozessen verbundenen, Hirnh\u00e4lfte und dort auch zu einer Abnahme der mit den wohltuenden Wirkungen von Meditation im allgemeinen assoziierten ruhigen Alpha-Wellen. Man bezeichnet diesen Funktionsstil, in dem eine Hirnh\u00e4lfte mehr dominiert als die andere, auch als &#8220;laterale Asymmetrie&#8221;. Die Funktionsweise des Gehirns w\u00e4hrend Aufmerksamkeitsmeditation wiest somit, neurophysiologisch gesehen, einen gewissen Mangel an Balance, Ausgewogenheit auf. Weiterhin erbrachte eine neuere Meta-Analyse von Grossmann, dass die Aufmerksamkeitsmeditation &#8211; getestet auf Verbesserungen in zehn Bereichen der geistigen F\u00e4higkeiten &#8211; lediglich Verbesserungen hinsichtlich der Schmerzwahrnehmung aufwies.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>In der Tibetischen Meditation wird sehr stark mit konzentrativen Techniken gearbeitet. So richtet man zum Beispiel den gesamten Geist auf die Empfindung des Mitgef\u00fchls aus, so dass alle geistigen Prozesse und die gesamte Aufmerksamkeit darauf fokussiert sind, einen Ozean des Mitgef\u00fchls in sich zu erzeugen, ohne dass andere geistige Regungen st\u00f6rend dazwischenkommen. Dass die tibetische Meditation anstrengend ist, lie\u00df sich auch anhand der Hirnwellen-Aufzeichnungen des EEGs feststellen. Hier zeigten sich typische Hirnwellenmuster im Gamma-Frequenzbereich um etwa 40 Hz, die \u00fcblicherweiseweise auftreten, wenn der Geist sich sehr stark konzentriert und somit sehr aktiv ist. Weitere moderne Bildungsgebungsverfahren der Hirnzellenaktivit\u00e4t zeigten ebenfalls auf, dass das Gehirn w\u00e4hrend tibetischer Meditation hoch aktiv ist.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Ganz anders so bei der Transzendentalen Meditation. Die EEG-Muster w\u00e4hrend der Technik der Transzendentalen Meditation zeigen charakteristischerweise eine globale, d.h. \u00fcber alle Hirnbereiche reichende, koh\u00e4rente Alpha-Aktivit\u00e4t. Hoch koh\u00e4rente , d.h. phasen- korreliert oszillierende Alpha-Wellen treten in der Regel bei Erfahrungen tief entspannter, ruhevoller Wachheit auf, einer Erfahrung, die in der Literatur als Zustand &#8220;reinen Bewusstseins&#8221; bezeichnet wird und die grundlegendste und einfachste Form bewusster Erfahrung darstellt. Derartige EEG-Muster, wie sie bei den TM-Aus\u00fcbenden beobachtet wurden, wurden bei anderen Praktiken der Meditation nicht beobachtet. Neuronale Bildgebungsverfahren w\u00e4hrend der Aus\u00fcbung Transzendentaler Meditation zeigten zudem, dass w\u00e4hrend der TM die vorderen und hinteren Bereiche des Gehirns sehr viel wacher werden und aktiver sind, als wenn man einfach nur mit geschlossenen Augen das\u00e4\u00dfe. Allerdings bleibt dabei der Thalamus, das Eingangstor aller Erfahrungen, deutlich geringer aktiv. Das hei\u00dft: W\u00e4hrend die Aufmerksamkeitssysteme weiterhin w\u00e4hrend der TM wachbleiben, gibt es Anzeichen daf\u00fcr, dass sich die Erfahrung nun verst\u00e4rkt nach innen, statt nach au\u00dfen, richtet.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Die TM-Praxis wird in der wissenschaftlichen Literatur als m\u00fcheloser Prozess des Transzendierens beschrieben &#8211; die innere Bewusstheit weitet sich zu einem Zustand vollkommener Freiheit, Unbegrenztheit und Stille aus, die transzendentales Bewusstsein genannt wird. Meta-Analysen berichten \u00fcber signifikante Verminderungen von Angst, ein Abnahme der Atemrate, Herzrate, des Blutlaktats, von Bluthochdruck, Zigaretten- und Alkoholkonsum und \u00fcber eine signifikante Zunahme des Selbstwertgef\u00fchls, die aus der TM-Aus\u00fcbung resultieren. Eine erst k\u00fcrzlich abgeschlossene Ein-Jahres-Langzeitstudie, so berichtete Travis, an Aus\u00fcbenden im ersten Jahr ihrer TM-Praxis wertete Ver\u00e4nderungen hinsichtlich Unausgewogenheiten in der Zusammenarbeit der Hirnh\u00e4lften (laterale Asymmetrie), Gamma-Aktivit\u00e4t und allgemein der Breitband-Koh\u00e4renz \u00fcber verschiedene Frequenzbander aus. Diese Untersuchung ist die erste ihrer Art, die in einer Gruppe von Versuchspersonen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum diese drei Hirnmuster, die in der Literatur verschiedenen Meditationspraktiken zugeordnet werden, verglichen hat. W\u00e4hrend Gamma-Aktivit\u00e4t und die laterale Asymmetrie keine Ver\u00e4nderungen zeigten, erh\u00f6hte sich bereits nach zwei Monaten TM-Aus\u00fcbung die Koh\u00e4renz in den vorderen Hirnbereichen, die \u00fcblicherweise als der Kommandozentrale oder der &#8220;CEO&#8221; des Gehirns bezeichnet wird, hingegen dramatisch &#8211; und das \u00fcber alle Frequenzbande. Diese hohe Koh\u00e4renz blieb auch nach den ersten 6 und schlie\u00dflich nach 12 Monaten Meditationspraxis weiterhin erhalten.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Mit den vorliegenden Daten k\u00f6nnen die Meditationsforscher sich nunmehr \u00fcber gemeinsame physiologische Parameter verst\u00e4ndigen und diese dann bei den Aus\u00fcbenden verschiedener Meditationsmethoden durch Messungen \u00fcberpr\u00fcfen. So lassen sich physiologische Profile der unterschiedlichen Meditationspraktiken objektiv klassifizieren. Damit kann eine auf Daten der Gehirnforschung basierende Matrix erstellt werden, um die Funktionsweise von Meditationstechniken eingehender zu studieren und zu er\u00f6rtern und ein Verst\u00e4ndnis \u00fcber ihre jeweilige spezifischen Wirkungen auf K\u00f6rper, Geist und Umgebung zu gewinnen.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p><strong>Referenzen: <\/strong><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>1. TIME 100: The People Who Shape Our World; Richard Davidson &#8211; East Meets West in His Laboratory, TIME magazine, Sunday, Apr. 30, 2006 <a href=\"http:\/\/www.time.com\/time\/magazine\/article\/0,9171,1187248,00.html\">www.time.com\/time\/magazine\/article\/0,9171,1187248,00.html<\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>2. Toward a Science of Consciousness 2006, April 4-8, Tucson Convention Center, Tucson, Arizona: <a href=\"http:\/\/www.consciousness.arizona.edu\/tucson2006.htm\"><br \/>\nwww.consciousness.arizona.edu\/tucson2006.htm<\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>3. Frederick Travis: Are all meditations the same? Comparison of brain patterns, mental benefits and descriptions of mindfulness meditation, Tibetan Buddhism, and Transcendental Meditation (Center for Brain, Consciousness and Cognition, Maharishi University of Management, Fairfield, IA) Abstract presented at the annual conference: Toward a Science of Consciousness 2006, April 4-8, Tucson Convention Center, Tucson, Arizona <a href=\"http:\/\/www.consciousness.arizona.edu\/abstracts.htm\">www.consciousness.arizona.edu\/abstracts.htm<\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p><strong>Abstract (No 263)<\/strong><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Current neural imaging and EEG (brain wave) patterns answer the question: Are all meditations the same? The research answers with a resounding &#8220;No!&#8221; Mindfulness meditation is characterized by greater left hemisphere activation &#8211; alpha lateral asymmetry. This is reflected in higher left hemisphere cerebral metabolic rate and lower left hemisphere EEG alpha activity. Mindfulness involves attention on one&#8221;s breath with eyes-closed, and dispassionate observation of bodily, mental and perceptual states with eyes-open. Preliminary research suggests that Mindfulness Meditation improves immune functioning. Grossman&#8217;s recent meta-analysis of 10 areas of mental benefits reported significant effects of Mindfulness Meditation only on reduction in pain perception. Tibetan Buddhism is characterized by heightened 40 Hz power and coherence. This meditation is done with eyes half open, while one creates inner states such as &#8220;pure compassion&#8221; or &#8220;loss of sense of self&#8221;. Research has not yet reported physiological or mental benefits of practice of Tibetan Buddhism. Transcendental Meditation is characterized by higher frontal 6-45 Hz coherence and higher global alpha power. TM practice is described as an &#8220;effortless&#8221; process of transcending &#8211; inner awareness expanding to a state of complete freedom, unboundedness, and silence, called transcendental consciousness. Meta-analyzes report significant reductions in anxiety, breath rate, heart rate, blood lactate, blood pressure, and cigarette and alcohol use, and significant increases in self-esteem resulting from TM practice. Recent research investigated one-year longitudinal changes in alpha lateral asymmetry, gamma activity, and broadband coherence in the first year of TM practice. This research is the first to compare in a single population these three brain patterns, which are reported in the literature to characterize different meditation practices. Data were recorded during TM practice, eyes-closed rest, and computer tasks. Alpha lateral asymmetry and gamma power and coherence did not change over the year in any of the three conditions. Broadband frontal coherence rose to a high level during TM practice after 2 months practice and remained at that high level at 6 and 12 months practice. Coherence linearly increased during eyes closed rest and the computer tasks over the year. Now is the time that meditation researchers should agree on common physiological variables and measure them in their perspective meditating populations. The resulting physiological profiles could objectively classify meditation practices, serving as a brain-based matrix to discuss meditation practices and understand their effects on the mind, body and the environment.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschiedene Meditationsmethoden wirken ganz verschieden &#8211; so haben neue wissenschaftliche Studien ergeben Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin TIME hat in diesem Jahr in seiner Print-Ausgabe vom 8. 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